Die Mutter wurde auf Bewährung entlassen, nachdem sie die Strafe für ihren Sohn verbüßt hatte; er verkaufte das Haus und ließ sie nicht einmal hinein.

Die Mutter wurde auf Bewährung entlassen, nachdem sie die Strafe für ihren Sohn abgesessen hatte. Der hatte das Haus verkauft und sie nicht einmal mehr reingelassen.

Vera Lehmann blieb vor dem kleinen Gartentor stehen, lehnte sich an den Weidenzaun. Sie war wie eine Verrückte vom Bus gerannt und völlig außer Atem. Als sie den bläulichen Rauch aus dem Schornstein aufsteigen sah, griff sie sich ans Herz es hämmerte so stark, als wolle es ihr die Rippen sprengen. Trotz der kühlen Luft perlte Schweiß auf ihrer Stirn. Sie wischte ihn weg und öffnete entschlossen das Tor.

Mit geübtem Blick bemerkte sie, dass der Schuppen geflickt worden war. Ihr Sohn schrieb nicht mehr, aber er hatte nicht gelogen: Das Haus war in Ordnung, wie versprochen. Sie stürmte die Treppe hoch, bereit, ihren lieben kleinen Timmi in die Arme zu schließen.

Doch die Tür öffnete ein Fremder, mürrisch, mit einem Geschirrtuch über der Schulter.
»Wen suchen Sie?«, fragte er mit rauer Stimme und musterte sie.

Vera war wie versteinert.
»Wo ist Timmi?«

Der Mann kratzte sich nervös am Kinn, starrte sie ohne Höflichkeit an. Sie spürte seinen Blick auf ihrem abgetragenen Mantel, den abgelaufenen Stiefeln, der fleckigen Tasche Kleidung für Arme. Aber nach einer Haftstrafe kommt man nicht im Sonntagsstaat zurück.

»Tim ist mein Sohn. Wo ist er? Geht es ihm gut?«

Der Fremde zuckte gleichgültig mit den Schultern.
»Wahrscheinlich. Das sollten Sie doch wissen.« Er wollte die Tür schon schließen, besann sich dann aber. »Tim Lehmann?«

Sie nickte hastig. Der Mann sah sie plötzlich mitleidig an.
»Er hat mir das Haus vor vier Jahren verkauft. Kommen Sie rein, wenn Sie möchten«

»Nein, nein!« Vera wedelte mit den Händen und wäre fast die Stufen heruntergefallen. »Wissen Sie, wo ich ihn finde?«

Er schüttelte den Kopf. Sie ging zurück zum Tor. Sie hätte zu ihrer Freundin Elke gehen können, aber die hatte ein großes Maul die hätte sie nur beschimpft. Und ihr Mutterherz sagte ihr, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.

Langsam ging sie zur Bushaltestelle, versunken in düstere Gedanken. Was war nur passiert? Timmi war so vertrauensselig gewesen… Vor vier Jahren hatte er sich auf einen »Freund« eingelassen und war in einen Betrug verwickelt worden. Hätte Vera sich nicht selbst angezeigt, hätte er eine viel längere Strafe absitzen müssen. Sie, die Alte, bekam nur fünf Jahre. Drei Tage zuvor war sie wegen guter Führung entlassen worden, sogar das Busticket hatte man ihr bezahlt.

Auf einer kalten Betonbank murmelte sie:
»Wo soll ich dich nur suchen, Kleiner?«

Tränen stiegen ihr in die Augen. Ihr Herz hatte einen Schlag gemacht, als Timmis Briefe vor drei Jahren plötzlich ausblieben. Jetzt schienen sich ihre schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen: Er hatte sogar das Haus verkauft. Sie wischte sich die Wangen mit einem Taschentuch ab.

Plötzlich hielt ein schwarzer Wagen neben ihr. Der Fremde, der neue Hausbesitzer, reichte ihr einen Zettel:
»Hier ist eine Adresse aus den Unterlagen. Wenn Sie wollen, fahre ich Sie hin.«

Sie nahm den Zettel wie einen Rettungsring.
»Danke, mein Junge, mach dir keine Sorgen ich schaff das schon.« Gestärkt stieg sie in den alten Bus, der gerade ankam.

Eine halbe Stunde holprige Fahrt, Angst und Verwirrung in der Stadt endlich stand sie vor einer Tür im dritten Stock eines heruntergekommenen Hauses. Sie drückte mehrmals die Klingel und hielt den Atem an. Würden sie ihr eine schreckliche Nachricht überbringen? Die Tränen liefen unaufhörlich.

Als die Tür aufging, kannte ihre Freude keine Grenzen: zerzaust, leicht angetrunken, aber lebendig ihr Timmi! Sie brach in Schluchzen aus und wollte ihn umarmen, doch er schien alles andere als erfreut. Er wich zurück, hielt die Tür nur einen Spalt offen:
»Wie hast du mich gefunden?«

Verwirrt von seiner Kälte, fand sie keine Worte. Tim drehte sie um und schob sie zur Treppe:
»Tut mir leid, Mutti, aber du kannst nicht rein. Ich lebe mit einer Frau, die Ex-Knackis hasst. Such dir was, ich hab kein Geld.«

Vera versuchte, ihn nach dem Hausverkauf zu fragen, aber die Tür knallte zu wie ein Schuss ins Herz. Sie weinte nicht mehr. Mit gesenktem Kopf stieg sie die Treppe hinab. Elke hatte Recht gehabt: Sie hatte einen Halunken großgezogen. Jetzt musste sie es eingestehen und sich ihre Vorwürfe anhören obdachlos, wie sie war.

Zurück im Dorf, schlug ihr das Schicksal erbarmungslos entgegen: Elke war vor einem halben Jahr gestorben, ihr Haus gehörte jetzt fremden Enkeln. Unter feinem Nieselregen flüchtete Vera zur Bushaltestelle und dachte über ihre Zukunft nach.

Scheinwerfer blitzten auf der Mann von vorhin, der neue Hausbesitzer, rief sie an:
»Steig ein, du bist ja pitschnass!«

Sie schluchzte abwehrend sie hatte keinen Ort, an den sie gehen konnte, und dieser Fremde war so fürsorglich. Er half ihr fast gegen ihren Willen ins Auto.

Sie sprachen. Vera erzählte ihre bittere Geschichte, verschwieg aber aus Scham den Besuch bei Tim. Der Fahrer, Andreas, bot ihr an, bei ihm zu bleiben, zumindest vorübergehend. So kehrte Vera Lehmann in ihr altes Zuhause zurück, das jetzt Andreas gehörte. Und sie blieb.

Andreas schuftete von morgens bis abends er besaß ein expandierendes Sägewerk. Sie kümmerte sich um den Haushalt: kochen, waschen, putzen. Mit modernen Geräten war das einfach. Andreas, noch jung und geschieden, dachte nicht an eine neue Familie.

Ihre Anwesenheit war genau das, was er brauchte: Als Waise, der im Heim aufgewachsen war, fand er bei ihr endlich mütterliche Wärme. Jedes Mal, wenn sie gehen wollte, sagte er:
»Wohin denn? Hier ist dein Zuhause!«

Langsam taute auch ihr Herz auf. Ein leiblicher Sohn war nicht zu ersetzen, aber Andreas erwies sich als selten gutherzig fast wie ein echter Sohn. Als der Winter näher kam, beschloss sie, ihm Mittagessen ins Sägewerk zu bringen es war nah, und manchmal hatte er keine Zeit zum Essen.

An diesem Tag brachte sie eine Thermoskanne dampfende Suppe und Frikadellen. Sie schickte einen Fremden aus dem Büro, breitete ein sauberes Tuch aus. Andreas lachte:
»Lehmann, du bist ein General keine Widerrede! Und wenn er sauer ist?«

Sie runzelte die Stirn:
»Willst du ihn als Vorarbeiter einstellen? Man siehts ihm an: ein Gauner. Vertrau meinem Instinkt, der Knast hat mich Menschen lesen gelehrt.«

Er schüttelte den Kopf:
»Ach, Mutti! Der hat einen soliden Lebenslauf. Wir können uns nicht auf einen Eindruck verlassen.«

Sie hatte Recht: Ein Monat später hatte das Sägewerk massive Verluste der Typ verkaufte heimlich Holz und verschwand mit einem ganzen Laster. Andreas, finster, gab seinen Fehler zu.

Bei der Einstellung neuer Leute entschied er: Da »Oma« ein Auge dafür hatte, sollte sie helfen. Von nun an saß Vera bei den Bewerbungsgesprächen: Andreas fragte, sie beobachtete, schrieb Urteile auf, die sie ihm reichte.

»Saufender Streithammel«, »er

Rate article
News 24 Justall
Die Mutter wurde auf Bewährung entlassen, nachdem sie die Strafe für ihren Sohn verbüßt hatte; er verkaufte das Haus und ließ sie nicht einmal hinein.